Gerhards & Glücker
Carsten Gerhards

Leuschnerdamm 13
10999 Berlin

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Auftrag: Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam, Dauerausstellung
Auftraggeber: Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Leistungsbild: Ausstellungsarchitektur, Grafik, Licht, Medien
Planung: 2010 — 2011
Realisierung: 2011 — 2012

Konzept
Das Gebäude des ehemaligen Untersuchungsgefängnisses ist das wichtigste Exponat der Dauerausstellung. Dementsprechend möchten wir mit unserem Ausstellungsmobiliar möglichst behutsam auf die Raumhülle des Gebäudes reagieren und zugleich jedem Thema einen eigenen Ausdruck geben. Deshalb haben wir folgende Gestaltungsrichtlinien entwickelt:

KEIN DESIGN
Die formale Sprache unserer Ausstellungsmodule soll möglichst neutral sein. Dennoch spüren wir aber auch, dass es nicht damit getan ist, ein klassisches museales Vokabular aus quaderförmigen Sockeln, Podesten und Vitrinen zu entwickeln, da diese in der Wahrnehmung der Besucher bedeuten, dass er sich in einem klassischen Museum befindet, tatsächlich aber an einem authentischen Ort des Verbrechens ist.

DIMENSION
Da die Räume sehr klein sind und zugleich nicht zugestellt werden sollen, damit der Besucher auch die Spuren und Inschriften der Raumhülle sehen kann, haben wir versucht, die Ausstellungsmodule in ihren Dimensionen möglichst kompakt zu halten und in der Mitte der Räume zu konzentrieren.

MODULARITÄT
Um die oben genannten Kriterien Neutralität des Ausdrucks und geringe Dimension, aber auch Flexibilität in der Zusammenstellung von Ding, Bild, Text und Audiovision, zu erfüllen, schlagen wir drei Module vor, die einem Systembaukasten gleich immer wieder neu zusammengesetzt werden können.

Modul 1 ist ein horizontaler oder vertikaler Rahmen. Um möglichst wenig vom Boden der Räume zu verdecken, steht dieser auf einem vierbeinigen Gestell und nicht auf einem Sockel. Die Gestelle werden untereinander verbunden, um Standsicherheit zu gewährleisten.
Der Rahmen kann je nach Inhalt und technischen Erfordernissen mit
folgenden „Bausteinen“ gefüllt werden:
1 Vitrinenbaustein in unterschiedlichen Größen je nach Dimension des Exponats.
2 Texttafel- und Bildbaustein in unterschiedlichen Dimensionen je nach Textkategorie (Objekttext, Thementext, Raumtext) und Größe der Abbildung.
3 Medienbaustein als Hör- oder Sehstation mit Stromzuführung.
4 Lichtbaustein mit Stromzuführung.
5 Klimabaustein mit Stromzuführung.

Modul 2 ist ein Hocker.

Modul 3 ist eine Stehleuchte, die als Akzentleuchte, als „Spurenleuchte“ oder als Allgemeinleuchte fungiert.

Je nach Thema können diese Module dann individuell und platzsparend zusammengestellt werden. Das Erscheinungsbild der Module wird so durch ihren Ausstellungsgegenstand, z.B. die Bio-graphien, geformt.

MATERIAL UND KONSTRUKTION
Die Module sollen möglichst robust sein, da die Gedenkstätte ohne Aufsichtspersonal funktionieren muss. Die Farbgebung sollte auch möglichst neutral sein. Deshalb schlagen wir hier einen mittel- dunkelgrauen RAL-Ton vor. Die Stromzuführung zu Leuchten-, Medien- und Klimabausteinen erfolgt je nach räumlicher Gegebenheit über den Boden in einem möglichst flachen Kabelkanal aus Stahl oder über die Decke als abgependeltes Kabel oder als Rohr.

GRAFIK
Das grafische Konzept folgt unserer Kein Design-Haltung. Als Grundschrift schlagen wir die Letter Gothic vor, die sich als monospaced Schrift durch ein klares Raster im Schriftbild auszeichnet und durch ihre Schreibmaschinen-Anmutung den dokumentarischen Charakter der Ausstellung betont. Gegenüber klassischen Schreibmaschinenschriften kommt diese Schrift dabei ohne Serifen aus, was die klare Anmutung verstärkt. Bei gleicher Punktgröße wirkt sie zudem größer als andere Schriften. In den Überschriften wird die Letter Gothic mit Versalien der Franklin Gothic, einer klassischen Groteskschrift, prägnant kontrastiert.



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last update: Fri, 16/12/11 | © copyright 2008 Gerhards & Glücker, Carsten Gerhards
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